Warten als urbane Ressource
Wie das HECINO-Team mit WaitWell alltägliche Stadtmomente neu denkt
Haltestellen, Servicezentren und Übergangsräume sind nicht nur funktionale Infrastrukturen. Sie sind Orte, an denen Menschen täglich einen Teil ihrer Zeit verbringen – eine Zeit, deren Qualität bisher jedoch nur selten bewusst gestaltet wird.
Mit seinem ersten Konzept “WaitWell” stellt das HECINO-Team deshalb eine zentrale Frage:
Kann ein Teil der Wartezeit zu einem kurzen, freiwilligen und sinnvollen Moment für Bewegung, Entlastung oder Beteiligung werden?
WaitWell befindet sich derzeit in der Konzept- und Prototypenentwicklung. Der nächste Schritt ist die gemeinsame Erprobung in einem begrenzten realen Anwendungsfall.
Technologie mit klarem Zweck
Bei WaitWell steht nicht die Technologie im Mittelpunkt, sondern die konkrete Alltagssituation. Physische und digitale Elemente sollen so eingesetzt werden, dass der Zugang einfach bleibt, das Angebot zum jeweiligen Warteort passt und ein nachvollziehbarer Nutzen für Menschen und Betreiber entsteht.
Entscheidend ist nicht die Anzahl digitaler Funktionen, sondern ob Technologie Menschen im Alltag unterstützt und die Weiterentwicklung realer Orte erleichtert.
WaitWell – das erste HECINO-Konzept
WaitWell setzt bei einer alltäglichen, bislang jedoch wenig bewusst gestalteten Situation an: dem Warten.
Das Konzept soll Warteorte um freiwillige und niedrigschwellige Impulse ergänzen, die Menschen im jeweiligen Moment unterstützen und die Qualität des Aufenthalts verbessern können. Dabei verbindet WaitWell den realen Ort mit einer digitalen Ebene, ohne den Warteprozess zu überladen oder eine bestimmte Nutzung vorauszusetzen.
WaitWell ist damit kein einzelnes digitales Produkt, sondern ein ortsbezogenes, physisch-digitales Konzept für menschlichere urbane Wartesituationen.
Von der Nutzung zur besseren Entscheidung
WaitWell soll nicht nur einen unmittelbaren Nutzen für wartende Menschen schaffen. Aggregierte Erkenntnisse können Betreiber und Partner dabei unterstützen, besser einzuordnen, welche Angebote angenommen werden, wo Barrieren bestehen und welche Standorte oder Maßnahmen genauer betrachtet werden sollten.
Dabei gilt ein zentraler Grundsatz:
WaitWell bewertet keine einzelnen Menschen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie gut ein Angebot und ein Warteort funktionieren.
So können neue Ansätze zunächst in einem begrenzten Rahmen erprobt, gezielt angepasst und bewertet werden, bevor größere Investitionen oder langfristige Entscheidungen getroffen werden.
Die konkrete Ausgestaltung eines Piloten wird gemeinsam mit dem jeweiligen Partner an Ort, Zielgruppe und Zielsetzung angepasst.
Datenminimierung und klare Grenzen
Da WaitWell für den Einsatz im öffentlichen Raum entwickelt wird, gehören Datenschutz und Vertrauen von Anfang an zum Produktdesign.
Für eine erste Version gelten folgende Grundsätze:
- keine Gesichtserkennung,
- keine medizinische Diagnose,
- keine persönlichen Gesundheits- oder Bewegungsprofile,
- kein verpflichtendes Benutzerkonto,
- und keine Erhebung von Daten, die für die jeweilige Funktion nicht erforderlich sind.
Im Mittelpunkt stehen aggregierte Nutzungsmuster und freiwilliges Feedback.
Nicht alles, was technisch erfassbar ist, muss auch erhoben werden. Jede Datennutzung benötigt einen klaren, verständlichen und verhältnismäßigen Zweck.
Sollte WaitWell perspektivisch um eine App oder personalisierte Funktionen erweitert werden, müssten diese Angebote freiwillig, transparent und klar von der grundlegenden Nutzung getrennt gestaltet werden.
Erst testen, dann Wirkung behaupten
WaitWell basiert auf der Annahme, dass freiwillige kurze Aktivitäten das Warteerlebnis verbessern können. In einem Pilotprojekt soll gemeinsam mit wissenschaftlichen und praktischen Partnern untersucht werden, wie das Angebot wahrgenommen und genutzt wird, welche Faktoren die Akzeptanz beeinflussen und unter welchen Bedingungen ein tatsächlicher Mehrwert entsteht.
Dabei geht es nicht darum, einen Erfolg vorauszusetzen, sondern offen zu prüfen, wo WaitWell sinnvoll eingesetzt werden kann.
Teil einer größeren Produktvision
Perspektivisch untersucht das HECINO-Team weitere Anwendungsfelder – darunter unterstützende Service- und Übergangssituationen, temporäre Veränderungen im Stadtraum, bewegungsfördernde urbane Elemente sowie quartiersbezogene Orte für Wellbeing, Prävention und soziale Begegnung.
Diese Ansätze befinden sich derzeit in einer frühen Konzeptphase und sind nicht Bestandteil eines ersten WaitWell-Piloten.
Gemeinsam ist ihnen das Ziel, urbane Infrastruktur nicht nur funktional, sondern unterstützend, menschenzentriert und lernfähig zu gestalten.
Urbane Infrastruktur sollte nicht nur technisch funktionieren. Sie sollte Menschen unterstützen und aus ihrer tatsächlichen Nutzung lernen können.
Einladung zur Zusammenarbeit
Für die Weiterentwicklung von WaitWell sucht das HECINO-Team den Austausch mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen, Verkehrsunternehmen, Städten, kommunalen Verwaltungen sowie Partnern aus den Bereichen Gesundheit, Bewegung, Gestaltung und verantwortungsvolle Digitalisierung.
Ziel ist es, gemeinsam einen begrenzten Pilotanwendungsfall zu entwickeln und zu prüfen, unter welchen Bedingungen WaitWell einen nachvollziehbaren Mehrwert schaffen kann.
Interessierte Organisationen sind eingeladen, mit dem HECINO-Team über einen möglichen Anwendungsfall und geeignete Formen der Zusammenarbeit ins Gespräch zu kommen.
Über HECINO
HECINO ist ein interdisziplinäres Innovationsteam mit Sitz in Deutschland. Das Team verbindet Kompetenzen aus Urban Design, digitaler Produktentwicklung, künstlicher Intelligenz, Data Science und Projektentwicklung.
Aus dieser Verbindung entstehen physisch-digitale Konzepte, die alltägliche urbane Situationen menschlicher gestalten und eine gezielte, nachvollziehbare Weiterentwicklung realer Orte ermöglichen sollen.
