Civic Science – Lebensumwelten verstehen und gemeinsam positiv gestalten

Der Begriff „Civic Science“ ist bislang weder im deutschsprachigen Raum noch international einheitlich definiert. In der Literatur und Praxis existieren unterschiedliche Verständnisse, die von öffentlichem Dialog über Wissenschaft, über partizipative und deliberative Formen der Wissensproduktion bis hin zu community-orientierten und demokratisierenden Ansätzen reichen.

Der Bundesverband Smart City versteht „Civic Science“ daher bewusst in folgendem Sinne:
Civic Science ist die von organisierter Zivilgesellschaft getragene, ermöglichte und gestaltete Wissenschaft.
Sie schafft die institutionellen, sozialen, methodischen, technischen und finanziellen Rahmenbedingungen dafür, dass Bürgerinnen und Bürger selbst wissenschaftlich arbeiten können – von der Formulierung von Fragestellungen über Datenerhebung und Auswertung bis zur Interpretation, Veröffentlichung und praktischen Anwendung der Ergebnisse.

Im Verständnis des Bundesverband Smart City sind Bürgerinnen und Bürger in der Civic Science nicht Objekte wissenschaftlicher Beobachtung, Befragung oder Aktivierung, sondern handelnde Subjekte der Wissenschaft. Sie sind selbst Forschende, Mitgestaltende und Träger von Erkenntnis.

Zivilgesellschaftliche Akteure übernehmen dabei eine zentrale Rolle. Sie initiieren, organisieren, moderieren, begleiten und qualitätssichern Forschungsprozesse. Sie stellen Infrastruktur, Technik, Ressourcen, Kooperationsräume und methodische Unterstützung bereit und machen wissenschaftliches Arbeiten für Bürgerinnen und Bürger dadurch praktisch möglich.

Civic Science ist die Wissenschaft der Zivilgesellschaft selbst: partizipativ, gemeinwohlorientiert, selbstbestimmt und auf gesellschaftliche Problemlösung gerichtet.

Civic Science stärkt wissenschaftliche Mündigkeit, demokratische Teilhabe und kollektive Selbstwirksamkeit. Gerade weil sie Menschen nicht als bloße Zielgruppen, Datenquellen oder Untersuchungsgegenstände behandelt, sondern als aktive Mitträger wissenschaftlicher Praxis und Erkenntnis, kann sie Vertrauen in Wissenschaft fördern und Wissenschaftsskepsis wirksam entgegenwirken.

Wie der BVSC Civic Science in der Praxis anwendet

Der Bundesverband Smart City setzt Civic Science dort ein, wo Menschen ihre Lebensumwelt besser verstehen und konkret verbessern wollen. Mit wissenschaftlichen Methoden, Sensorik, Messdaten und digitalen Werkzeugen werden Belastungen, Muster und Zusammenhänge sichtbar gemacht und in Handlungswissen übersetzt.

Dabei verbindet der BVSC technologische Möglichkeiten mit gemeinschaftlicher Wissensbildung vor Ort: Menschen erfassen Umweltbedingungen, werten Daten aus, ordnen sie in ihren Alltag ein und leiten daraus konkrete Verbesserungen ab. So entstehen lokal anschlussfähige Erkenntnisse, die nicht abstrakt bleiben, sondern in praktisches Handeln überführt werden können.
Die Arbeit des BVSC konzentriert sich dabei auf zwei miteinander verbundene Bereiche:

1. Lebensumwelt in Außenräumen – Gesundheitsschutz, Aufenthaltsqualität und Resilienz

Im öffentlichen Raum sind Umweltbelastungen wie Luftverschmutzung, Lärm, Hitze oder verkehrsbedingte Risiken oft sehr ungleich verteilt. Sie verändern sich je nach Ort, Tageszeit und Nutzung und bleiben in ihrer lokalen Ausprägung häufig unsichtbar.

Durch den Einsatz smarter Technologien und eines engmaschigen Sensornetzes lassen sich solche Unterschiede und Zusammenhänge sichtbar machen. Das schafft eine bessere Grundlage, um Belastungen vor Ort zu verstehen, Entwicklungen nachzuvollziehen und geeignete Maßnahmen abzuleiten.

Der BVSC nutzt Civic Science in diesem Bereich, um lokales Erfahrungswissen mit Messdaten zu verbinden. So entsteht ein genaueres Bild der realen Bedingungen vor Ort, das sowohl für Bürgerinnen und Bürger als auch für andere Akteure nutzbar wird.

Beispiel: SchulQuartierCheck
Im Projekt SchulQuartierCheck untersucht der BVSC gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern, wie stark der motorisierte Individualverkehr das Schulumfeld belastet und welche Auswirkungen dies auf Kinder, Anwohnende und andere Verkehrsteilnehmende hat. Dabei werden Beobachtungen und Perspektiven vor Ort mit Messungen zu Lärm, Luftqualität und Verkehrsaufkommen verknüpft. Die Ergebnisse werden öffentlich zugänglich gemacht, um daraus konkrete Maßnahmen für sichere und lebenswerte Schulquartiere zu entwickeln.

2. Lebensumwelt in Innenräumen – Raumklima, Wohlbefinden und Energieeffizienz

Menschen verbringen einen großen Teil ihres Alltags in Innenräumen. Dort beeinflussen Luftqualität, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Lärm Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit unmittelbar.

Mit Sensorik und offenen Datenplattformen können Umweltbedingungen in Wohnungen, Klassenräumen, Büros und anderen Innenräumen erfasst und analysiert werden. Dadurch lassen sich alltägliche Situationen besser verstehen und Verhalten sowie technische Systeme gezielter anpassen, etwa beim Lüften und Heizen. Ziel ist es, Innenräume gesundheitsförderlich zu gestalten, ohne unnötig Energie zu verbrauchen oder zusätzliche Belastungen von außen hereinzuholen.

Der BVSC setzt Civic Science hier als niedrigschwelligen Zugang ein, um komplexe Zusammenhänge im Alltag erfahrbar und verständlich zu machen. Sensoren können dort zum zusätzlichen „Sinnesorgan“ werden, wo die menschliche Wahrnehmung an Grenzen stößt. Verständlich aufbereitete Messdaten helfen dabei, Situationen systematisch zu beobachten, einzuordnen und daraus praktische Schritte abzuleiten.

Beispiel: CLAIRYFI
Im Projekt CLAIRYFI verbindet der BVSC Sensorik, Datenauswertung und Bildungsformate. Teilnehmende erfassen in Innenräumen Daten zu CO₂, Temperatur und Luftfeuchtigkeit, werten diese aus und setzen sie in Beziehung zu Lüftungs- und Heizsituationen im Alltag. So lernen sie, Umgebungsbedingungen systematisch zu beobachten, zu interpretieren und daraus konkrete Verbesserungen abzuleiten. Gleichzeitig ist das Projekt Teil eines umfassenderen Ansatzes, der Innen- und Außenräume zusammen denkt.

Civic Science in der Anwendung des BVSC

In der Praxis des BVSC zeigt sich Civic Science damit als Verbindung von technischer Befähigung, gemeinschaftlicher Wissensbildung und konkreter Problemlösung. Digitale Werkzeuge und Sensoren dienen nicht bloß der Messung, sondern helfen dabei, Lebensrealitäten besser zu verstehen, Zusammenhänge zu erkennen und Verbesserungen vor Ort anzustoßen.

Mit uns aktiv werden

Sie möchten die Umweltbedingungen in Ihrer Stadt, Ihrem Quartier, Ihrem Arbeitsumfeld oder Ihrem Zuhause besser verstehen und die Lebensqualität gezielt verbessern? Dann bringen Sie sich in unsere Projekte und Initiativen ein.

Der Bundesverband Smart City unterstützt Bürgerinnen und Bürger, Initiativen, Bildungseinrichtungen, Kommunen und weitere Akteure dabei, Civic Science vor Ort praktisch umzusetzen. Gemeinsam schaffen wir die Grundlage dafür, Belastungen sichtbar zu machen, Zusammenhänge zu verstehen und konkrete Verbesserungen anzustoßen.

Ob Luftqualität, Lärm, Hitze, Raumklima oder Hochwassergefahr: Mit Sensorik, digitalen Werkzeugen, offenen Daten und passenden Formaten helfen wir dabei, Umweltbedingungen systematisch zu erfassen, auszuwerten und in Handlungswissen zu übersetzen.

Sprechen Sie uns an, wenn Sie ein eigenes Projekt anstoßen möchten, sich an einer bestehenden Initiative beteiligen wollen, Sensorik, Methoden und Formate erproben möchten oder Wissen in Ihr Quartier, Ihre Stadt, Ihre Einrichtung oder Ihr Zuhause tragen wollen.

Lassen Sie uns gemeinsam Civic Science bei Ihnen vor Ort in die Praxis bringen.

Unsere Projekte unterstützen

Damit Menschen ihre Lebensumwelt besser verstehen und konkret verbessern können, brauchen sie Zugang zu Wissen, Technik, Austausch und Begleitung. Genau dafür setzen wir uns ein.

Mit Ihrer Spende helfen Sie uns, Bürgerinnen und Bürger mit Civic Science zu befähigen, Umweltbelastungen sichtbar zu machen, Zusammenhänge zu verstehen und daraus konkrete Maßnahmen für mehr Gesundheit, Sicherheit und Lebensqualität vor Ort abzuleiten.

Ihre Unterstützung trägt dazu bei, dass Menschen nicht nur über Probleme sprechen, sondern selbst aktiv werden können – in ihrem Quartier, ihrer Stadt, ihrer Einrichtung oder ihrem Zuhause.
Wenn Sie im Verwendungszweck Ihre Postleitzahl angeben, können wir Ihre Spende möglichst gezielt in Ihrer Region einsetzen – etwa für Informationsveranstaltungen, Workshops oder den Aufbau bürgergetragener Sensornetze.
So helfen Sie uns, Menschen zu befähigen, in ihrem eigenen Umfeld selbst positive Veränderungen zu bewirken.

Spendenkonto bei der Volksbank Darmstadt Mainz eG:
IBAN: DE44 5519 0000 0805 8850 19
BIC: MVBMDE55XXX

Ihre Unterstützung wirkt unmittelbar: Nur bis zu 10 % Ihrer Spende verwenden wir für Verwaltung und Koordination. Der weitaus größte Teil fließt direkt in unsere Projekte – insbesondere in Technik, Ausstattung sowie die Durchführung von Informationsveranstaltungen und Workshops.

Für Spenden über 300 Euro erhalten Sie von uns gern eine Zuwendungsbestätigung. Bei Spenden bis einschließlich 300 Euro reicht grundsätzlich der vereinfachte Nachweis nach § 50 EStDV, in der Regel also Ihr Kontoauszug bzw. die Buchungsbestätigung Ihres Kreditinstituts.

Der BVSC ist als gemeinnützig anerkannt durch das Finanzamt Mainz-Mitte (Steuernummer 26/674/12881).
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Alle übrigen Umfrageergebnisse – einschließlich der Wohnortangabe – werden vollständig anonymisiert und ausschließlich in Form aggregierter Statistiken für Forschungszwecke und zur öffentlichen Information ausgewertet und veröffentlicht.

Alle Online-Dienste des BVSC werden ausschließlich im Rahmen von Verträgen mit deutschen Telekommunikationsunternehmen („Provider“) und auf Servern in deutschen Rechenzentren betrieben.

Weitere Informationen zum Datenschutz finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

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